Harry Sobotka (72) • ehemaliger Spieler des FSSV Karlsruhe

»Der Zahn steckte in meinem Knie«


Harry Sobotka, Jahrgang 1954, ist heute 72 Jahre alt. Seine fußballerische Laufbahn begann beim FSSV Karlsruhe, für den er von der D- bis zur A-Jugend spielte. Auch seine ersten Schritte im Seniorenbereich machte er beim FSSV. Anschließend wechselte Sobotka zu Phönix Grünwettersbach, wo er rund neun Monate aktiv war. Danach zog es ihn zurück zu seinen Wurzeln und damit noch einmal zu seinem Heimatverein FSSV Karlsruhe.

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Servus Harry. Lange ist es her als du für den FSSV um Punkte gekämpft hast. Nach langer Durststrecke ist dein Verein wieder in die Kreisliga aufgestiegen und startete überragend. Inwieweit verfolgst du deine alte Liebe noch?

Harry Sobotka
natürlich Verfolge ich meinen ehemaligen Verein über diverse Infokanäle. Darunter befinden sich die BNN, Website vom FSSV und auch über den pfoschdeschuss.

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Inwiefern spielte das Geld eine Rolle im Vergleich zu heute, wo manche Kicker gefühlt wöchentlich den Verein wechseln, weil sie nen Fünfer mehr bekommen?

Harry Sobotka

In meiner aktiven Zeit spielte das Geld für mich keine Rolle. Beim FSSV erhielten wir keine Spesen. Ich spielte aus Freude und Kameradschaft sowie Geselligkeit. Bei meinem Nachfolgeverein Phönix Grünwettersbach jetzt ASC Grünwettersbach, erhielt ich einen Bruchteil von meinen Fahrkosten erstattet.

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Rückblickend - dein bester Mitspieler, dein bester Trainer, der größte Entertainer und der größte sportliche Augenblick?

Harry Sobotka

Mein bester Mitspieler war Norbert Lang. Wir standen immer in einem gewissen Konkurrenzkampf. Er wurde von unserem damaligen Abteilungsleiter Fußball großzügig unterstützt, was mich schon wurmte. Dieser war auch zugleich sein Arbeitgeber. Meine besten Trainer waren Erhard Schicke (ehemals Spieler beim ASV Landau) sowie Gerhard Burst, kurz genannt »Charly«. Warum er so genannt wurde entzieht sich meiner Kenntnis. Erstgenannter war ein erfahrener Spieler und Trainer und ein feinfühliger Mensch. Zweitgenannter war so eine Art Max Merkel mit Zuckerbrot und Peitsche. Beim Lauftraining durch den Hardtwald fuhr er mit seinem Klapprad nebenher und gab das Tempo vor. Von Fall zu Fall mussten wir beim alten Wildparkstadion mehrmals die Treppen rauf und runter laufen. In Bezug auf den größten Entertainer fällt mir sporadisch nur der vor kurzem verstorbene Arthur Sitzler ein. Wenn etwas Alkohol im Spiel war konnte er einen Witz nach dem anderen erzählen und wir lachten uns halbtot.

Beim größten sportlichen Erfolg muss ich etwas ausholen. Im ersten Fall war es im Jugendbereich B-Jugend, wo wir in der Sonderstaffel mit der B1 vom KSC und anderen Vereinen aus der 1.Amateurliga die Klingen kreuzten. Beim Rückspiel gegen den KSC verloren wir kurz vor Schluß durch einen Freistoß von Manfred Dziobaka, später Vertragsspieler beim KSC. In dieser Begegnung wurde ich als Manndecker für Karl-Heinz Leßmann abgestellt. Er war der Torjäger Nr.1 beim KSC. Während der ganzen Begegnung machte er keinen einzigen Stich. Danach wurde ich von meinem Jugendtrainer Klosen über den grünen Klee gelobt.

Das zweite Erlebnis war der Pokalsieg beim A- Ligisten FV Liedolsheim. Wir traten als großer Außenseiter an und zur Überraschung aller erzielten wir einen 1:0 Erfolg. Der darauffolgende Gegner hieß VfB Knielingen - 1.Amateurliga. Beim Gegner spielte unter anderem Ernst Röhrig, Ex-Bundesliga-Spieler beim KSC mit. Er war seinerzeit Spielertrainer. Die Begegnung endete mit einer 1:5-Niederlage. Zu guter letzt spielten wir einige Jahre später gegen die KSC Amateure und verloren ebenfalls mit 1:5. Beim Gegner spielte ein Vertragsliga-Spieler des KSC mit. Sein Name lautete Nico Konrad. Für Ihn wurde ich wieder als Spezialwaffe eingesetzt und dass mit Erfolg. Er erzielte kein einziges Tor. Das Spiel fand sonntags statt. Am darauffolgenden Mittwoch fand im Wildparkstadion ein Freundschaftspiel zwischen dem KSC und dem FC Bayern München statt. Der KSC verlor mit 1:2. Torschütze war besagter Konrad.


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Was machte den FSSV Karlsruhe zur damaligen Zeit aus?

Harry Sobotka

Der FSSV war für mich damals mehr als nur ein Sportverein. Kameradschaft war im Jugendbereich mehr als genug vorhanden ... anders als in der heutigen Zeit.

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Kurzzeitig bist du dem FSSV untreu geworden. Was hat sich damals in die Bergdorf-Region zum »Phönix« nach Grünwettersbach getrieben?

Harry Sobotka

Letztendlich war das so nicht geplant. Da ich zwischenzeitlich in einer Freizeitmannschaft aktiv war und wir tolle Erfolge erzielten wurde ich von einem Mitspieler angesprochen, der ein alter Phönix-Spieler war; ob ich nicht Lust hätte bei einer Mannschaft einzusteigen, welche den Gang in die 2.Amateurliga anstrebt. So begann alles seinen Lauf zu nehmen. Mit dem neuen Trainer kam ich nicht klar. Nach einigen Verarschungen seinerseits wollte ich nur noch in der 2.Mannschaft spielen, welches mir der Trainer mit den Worten übermittelte, »du bist ein 1.Mannschaftsspieler und solange ich Trainer bin entscheide ich wer wo und wann spielt«.

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Wem würdest du gerne welche Frage stellen?

Harry Sobotka

In meiner Jugend waren Uwe Seeler, Petar Radenkovic, Bobby Moore und auch Manfred Paul sowie Gustav Wittlaschil meine Vorbilder. Ich würde gerne mit Uwe Seeler ein Gespräch über frühere Zeiten führen. Wie kann man als ehrgeiziger Sportler, das Uwe war, so ein Volksheld werden?


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Hast du eine kuriose Fußballgeschichte aus deinem Fußballleben, die bei keinem geselligen Abend fehlen darf?
Harry Sobotka

Bei einem Punktespiel des FSSV habe ich meinem Torwart mit dem Knie einen Schneidezahn gezogen. Der Zahn steckte in meinem Knie. Seine damalige Verlobte schaute fassungslos auf das Objekt der Begierde. Der Zahn wurde kurzfristig aus meinem Knie entfernt und unser Torwart wurde mit dem Auto und dem Zahn ins Städtische Krankhaus Zahnklinik gefahren. Nach dem Spiel traf er wieder ein und hatte seinen Zahn wieder an Ort und Stelle. Unser etatmässiger Schlussmann sagte nach dem Spiel, ihm wäre das nicht passiert weil er mich so gut kennt, dass ich keinem Zweikampf aus dem Weg gehe. Er hätte sehen müssen, dass ich vor ihm und dem gegnerischen Angreifer am Ball bin. »Sorry, Sorry im Nachhinein, Heinz!« Ah, ich spielte das gesamte Spiel durch trotz Schmerzen.

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Was hat sich am Amateur-Fußball verändert?

Harry Sobotka
Wie schon von dir im Vorfeld beschrieben. Heute zählt nur noch der schnöde Mammon. Kammeradschaft gibt es meines Wissens kaum mehr.

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Wie würdest du den Fußballer, Harry Sobotka, beschreiben?

Harry Sobotka

Technisch versiert, zweikampfstark und kopfballstark trotz einer Körperlänge von nur 175 cm. Beim Kopfball spielt nicht nur die Körpergröße eine Rolle sondern das Timing für den Absprung.

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Weltmeisterschaft mit 48 Mannschaften; Conference-League; Nations-Cup … machen die geldtreibenden Institutionen den Fußball kaputt oder muss man diesen Weg gehen?

Harry Sobotka

Zum Punkt 10 sage ich nur dies. Man kann es übertreiben. Früher fand nicht jeden Tag ein Fußball-Spiel statt, sodass man einige Tage später wusste, wer gegen wen gespielt hat. Heute weiß man morgen schon gar nicht mehr wer gegen wen und um was gespielt wurde. Das finde ich schade.
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Dein Wunsch für die Zukunft?

Harry Sobotka

Das Geld hat in den zurückliegenden Jahren den Sport verdorben. Das ist meine Meinung. Zudem sind die Stars in der heutigen Zeit, trotz dem vielen Geld was Sie verdienen, großteils Jammerlappen. Der normale Bürger geht morgens ins Geschäft schafft seine Stunden und kommt abends müde nach Hause. Die Fußballer in der heutigen Zeit sollten sich mal Gedanken machen was Sie ohne den Sport wären. Wahrscheinlich müssten Sie, wie wir auch, bis 65 oder gar 70, schaffen und könnten sich nicht den Luxus leisten der Sie umgibt.



pfoschdeschuss • 29.08.26





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