Adrian Leucian • Trainer der SpVgg Durlach-Aue 2
»Das Ehrenamt ist nicht mehr sexy«
Adrian Leucian, Trainer der zweiten Mannschaft der SpVgg Durlach-Aue, begann seine fußballerische Laufbahn beim Karlsruher SV. Weitere Jugendstationen waren der SV Nordwest Karlsruhe und die SG Siemens Karlsruhe. Dort schaffte er auch den Sprung in den Seniorenbereich. Anschließend spielte Leucian für die SpVgg Durlach-Aue, den SSV Ettlingen und den VfB Knielingen. Seine Trainerlaufbahn führte ihn zunächst zum TSV Spessart und anschließend zur zweiten Mannschaft der SpVgg Durlach-Aue. Nach einer weiteren Station beim FC Alemannia Eggenstein kehrte Leucian zur SpVgg Durlach-Aue zurück, wo er heute erneut die zweite Mannschaft trainiert.
Adrian, Hand aufs Herz: Wäre alles andere als der Aufstieg in die A-Klasse für die SpVgg Durlach-Aue 2 in dieser Saison eine Enttäuschung?
Hallo Wolfgang und danke für die Interview-Anfrage. Für mich persönlich wäre es eine riesengroße Enttäuschung. Wir haben in der letzten Saison eine hervorragende Rückrunde gespielt, bis auf zwei Spieler sind wir komplett zusammen geblieben und haben uns auf allen Positionen nochmals verstärkt.
Der Saisonstart in der »B3« ist mit zwei klaren Siegen gelungen. Wie lautet dein Fazit der ersten Begegnungen?
Wir sind qualitativ und auch in der Breite sehr gut besetzt. Nach der Halbzeit können wir fünfmal auswechseln und die Qualität der Mannschaft nimmt nicht ab.
Im Aufstiegsrennen zählt nicht nur die Qualität, sondern vor allem Konstanz. Wie lautet dein Rezept, damit die Mannschaft gerade gegen vermeintlich schwächere Gegner nicht unnötig Punkte liegen lässt, wie das in der Vergangenheit oft schon der Fall war?
Diese Runde klärt sich das von allein, denn kein Spieler kann es sich erlauben, im Training, beim Warmmachen oder in den ersten Minuten des Spiels nicht Vollgas zu geben. Auf der Bank warten fünf hungrige Spieler und zusätzlich drei bis vier Jungs, die es am Spieltag aus verschiedenen Gründen nicht in den Kader geschafft haben.
Welche Teams erwartest du als eure härtesten Konkurrenten?
Da gibt es einige Mannschaften. Südstern, Söllingen, Wöschbach oder DJK Durlach…..
Derbys und Spitzenspiele haben ihren eigenen Charakter. Wie wichtig wird es sein, gerade in den direkten Duellen gegen die Aufstiegskonkurrenz zu punkten?
Wir haben in den letzten Jahren die Spitzenspiele alle vergeigt. Auch in den Derbys waren wir nicht immer erfolgreich, obwohl es schon etwas Besonderes ist, gegen den Nachbarn zu gewinnen. Da schmeckt das isotonische Kaltgetränk danach besonders gut. Und trotzdem haben wir in der letzten Runde den Aufstieg gegen vermeintlich schwächere Gegner verspielt.

Ein Dauerthema bei zweiten Mannschaften ist die personelle Abhängigkeit von der ersten Mannschaft. Wie schwierig ist es, eine feste Hierarchie und Automatismen aufzubauen, wenn sich der Kader immer wieder verändern kann?
Ich denke, dass dies dieses Jahr unser Vorteil sein wird. Wir haben eine sehr gute Mannschaft mit absoluten Führungsspielern, dazu kommen die jungen Spieler aus der ersten Mannschaft, die sich unterordnen, mannschaftsdienlich spielen und es schnell eingesehen haben, dass nicht nur wir davon profitieren, sondern auch der Spieler. Das war nicht immer so.
Was erwartest du von deinen Führungsspielern? Braucht es in einer Mannschaft mit Aufstiegsambitionen auch Typen, die in schwierigen Phasen auf dem Platz Verantwortung übernehmen und die anderen mitziehen?
Diese Typen braucht man immer. Wir haben zum Glück in allen Mannschaftsteilen Führungsspieler, auf und neben dem Platz. Es muss nicht immer harmonisch ablaufen, aber respektvoll.
Die Arbeit als Coach der »Zweiten« in Aue war für dich in der Vergangenheit nicht immer einfach, besonders nicht in der vorletzten Saison (24/25), als du mit einem Minikader arbeiten musstest, der ohne Unterstützung der Ersten, der U19 und sogar der AH gar nicht spielfähig gewesen wäre. Was hat dich dennoch in Aue gehalten?
Da sprichst du was an! Es war eine Runde, wie man sie sich nicht vorstellen kann, ein Alptraum. 17 Spieler hatten damals den Verein verlassen. Einige hatten gehen müssen, andere sind aus verschiedenen Gründen gegangen. Eigentlich könnte ich ein Buch über jene Saison schreiben. Um mich aber kurz zu fassen, es kamen 10 verschiedene Torhüter in den 30 Ligaspielen zum Einsatz, das sagt schon alles. Ohne die Hilfe der »Alten Herren«, der ersten Mannschaft, der A1- und A2-Jugend und deren Trainern, die auch mitgespielt haben, hätten wir abmelden müssen. Nochmals ein RIESEN DANKESCHÖN! Das war und ist nicht selbstverständlich ...
Was mich in Aue gehalten hat und hält? Rainer Rittershofer und Thomas Kies! Ich bin ja schon etwas länger in Aue. Rainer hat mich vor langer Zeit als Spieler geholt und ich habe in Aue Verbandsliga spielen dürfen. Thomas war erst mein Mitspieler, dann mein Trainer und ist mittlerweile ein enger Freund. Ich wurde bei meiner letzten Trainerstation einen Tag vor meinem Geburtstag entlassen. Am Tag danach haben sich Thomas und Rainer bei mir gemeldet, aber nicht unbedingt, um mir zum Geburtstag zu gratulieren, sondern mir zu erklären, dass mein sportliches Zuhause in Aue ist, egal in welcher Funktion. Das vergisst man nicht. Und dann ist da noch mein Sohn, der hat auch lila Blut und spielt hier in der C-Jugend.
Was müsste sich hier deiner Meinung nach im Amateurfußball ändern?
Der Fußball an sich ist ja gleich geblieben. Wir sind aber gemütlicher geworden, sind mittlerweile sehr verwöhnt. Jeder will nur noch mit »150€-Bällen« spielen, möglichst auf Kunstrasen. Es soll nicht zu kalt, aber auch nicht zu warm sein. Die Spiele dürfen nicht morgens sein, man will höherklassig spielen, aber nicht zu lange fahren. Die ganz große Liebe zum Fußball geht meist irgendwann zwischen dem 15. und 17.Lebensjahr verloren. Auch die Vereine sollten sich hinterfragen, was nicht rund läuft. Es gibt mittlerweile viele Vereine, die keine Jugend haben oder in Spielgemeinschaften agieren müssen. Die Trainer sind engagierte Eltern, die aber keine Trainerausbildung haben. Das Ehrenamt ist nicht mehr sexy.

Abschließend noch ein paar Stichworte mit der Bitte um Ergänzung für dich: Meine Vorbilder als Fußballer sind …
... Miodrag Belodedici, Fernando Redondo, Torsten Diem und Thomas Kies
Die geringe Zuschauerresonanz bei den Spielen von Aue 2 ...
... empfinde ich persönlich so gar nicht. Im Vergleich zu anderen Sportplätzen ist bei uns relativ viel los, trotz B-Klasse.
Die neue Disziplin bei Aue 2 ...
... ist die logische Konsequenz jahrelanger, harter Arbeit
Die Rolle als Spielertrainer ...
... ist auch in den unteren Klassen verdammt schwer ...
Adrian, vielen Dank für deine Zeit und das interessante Interview!
Wolfgang »Wolf« Schmitt • 12.09.26