»Cool-Tour«

Eine Reise ins Schwabenland


Am Samstag hab ich beschlossen, nach CoSchwa zu pilgern, um das Derby anzuschauen. Die Alternative, Rheinstetten-Derby, war mir zu spät und so machte ich mich mit meinem Drahtesel auf, um die Hinterläufe Karlsruhes anzusteuern. Nicht »biken«, sondern »radfahren« … Das ist noch gesünder und umweltschonender als motorisierte Fortbewegung, wenngleich es sehr anstrengend war. Ein Raunen geht durch die Oststadt. Über Stock und Stein, fernab von Baustellen, gemütlich über Felder und Wiesen. In den Satteltaschen - zwei Helle, um zwischendrin nachzufüllen. »Viel trinken« ist schließlich überall nachzulesen.


Am AH-Turnier des ASC Grünwettersbach vorbei steuerte ich das tiefliegende Langensteinbach an, um dann stromaufwärts nach Ittersbach zu gelangen, wo die Narrenzunft ein schräges Festchen veranstaltete. Reger Betrieb zwischen Langensteinbach und Ittersbach; Personengruppen mit Reben- und Gerstensaft in Scharen; Picknicker in allen Ecken, die die letzten Sonnenstrahlen des Höllensommers 26 nutzten. Idylle pur … als hätte der liebe Gott einen Biergarten angelegt. Am Ende von Ittersbach überquerte ich »die Brücke«, die als Grenze zwischen Baden und Schwaben dient. Beim Überqueren läuteten die Ittersbacher Kirchturmglocken, was wohl damit zusammenhing, dass es schlichtweg 15 Uhr war. Kurz dachte ich, man würde auf badischer Seite meine Ausreise feiern. Zeit für einen »hellen Moment« … bevor ich die Steigung nach Conweiler in Angriff nahm.


Schönes Schmuckstück; tolle Atmosphäre … die SpVgg CoSchwa war mir auf Anhieb sympathisch. Vor Jahren sah ich hier mal ein Testspiel zwischen den Hausherren und Schöllbronn. Schöne Sitzgelegenheiten und helle Kuchlbauer-Nullfünfer-Bomben für schlanke 3,50 Euro. »Wie geil ist das denn?« Ich hatte schon schlimmste Befürchtungen, dass ich hier Schwabenbräu konsumieren muss. Man muss bei einem Grenzübertritt schließlich mit allem rechnen. Das Spiel selber ließ zu keinem Zeitpunkt die Frage nach einem Sieger offen. Fabienne Heger setzte sich energisch in der Männerwelt durch, leitete souverän und notierte bereits nach vier Minuten einen Daiber-Treffer. Der schnelle ehemalige Beiertheimer ließ die CoSchwa-Defensive aussehen wie einen Windpark - alles drehte sich, nur keiner wusste so recht, warum. In der 25. Minute zeigte die zierliche Fabienne auf den ominösen Punkt, was die Fachwelt gerne als einen Penalty bezeichnet. Seel parierte den Frey-Strafstoß prächtig; doch der Abpraller fiel dem freien Frey erneut vor die Füße und der ließ sich kein zweites Mal bitten. Der Hausherr versuchte es mit zwei, drei Weitschüssen, die aber die Gefahr einer Taschenuhr ausstrahlten. Der Strafraum der »Oierkuche« - Sperrbezirk. Kurz vor dem Pausentee kam dann der Abonnement-Torjäger der Blauschwarzen, Riedel, zum Halbzeitstand-Abschluss (3:0). Diese Messe war gelesen, wenngleich ein SVL-Urgestein anmerkte, dass man immer einen Treffer bekäme. An diesem Tag war seine Expertise auf Pessimismus aufgebaut, denn die Gäste bekamen kein Anspiel zugeschrieben. Frey beförderte nach einer Stunde den Ball mit einem Weitschuss in den Giebel und beendete an jenem Samstag das Kapitel »Torerfolge«. Danach war der Deckel drauf, der Schlüssel weg und der Hausmeister vermutlich schon daheim.


Schöner Tag; schöne Atmosphäre, schönes Spiel, schöne Tore und kein Bier mehr im Rucksack für die Heimfahrt. So endete die Expedition ins Schwäbische mit der bitteren Erkenntnis, dass selbst eine perfekte Reise logistische Fehler haben kann.






























pfoschdeschuss • 27.09.26





,,