Walzbachtaler Flutlicht-Demontage
Walzbachtal-Derby unter Flutlicht! Freitagabend, 19 Uhr, Jahnstraße in Jöhlingen. Was nach einem prickelnden Nachbarschaftsduell zwischen der Viktoria und dem FV Wössingen klang, entwickelte sich zu einer ausgesprochen einseitigen Angelegenheit. Der Siebte empfing den Zweiten, doch wer die Tabelle als Drehbuch für diesen Derbyabend vorgesehen hatte, musste bereits nach zwölf Minuten die ersten Seiten herausreißen. Mit 5:0 (2:0) schickten die Jöhlinger ihren Ortsrivalen auf die kurze Heimreise und verpassten den hoch gehandelten Gästen eine Abreibung, die auch ohne lange Anfahrt schmerzt. Seit dem Trainerwechsel scheint bei der Viktoria jemand den Hauptschalter umgelegt zu haben. Wo zuvor Sand im Getriebe knirschte, läuft der Motor plötzlich wieder auf Hochtouren. Die Mannschaft wirkt wie ausgewechselt und ließ ausgerechnet im prestigeträchtigen Derby die Muskeln spielen. Dabei war die Rollenverteilung vor dem Anpfiff durchaus interessant. Wössingen reiste als Tabellenzweiter an, die Viktoria hatte sich im Mittelfeld eingerichtet. Auf dem Rasen war von dieser Hierarchie allerdings wenig zu erkennen. Alessio Caprino eröffnete nach zwölf Minuten den Torreigen, Luca Ziegler legte in der 30. Minute nach. Zwei Treffer vor der Pause, und der Favorit hatte ein Problem, das sich auch mit einer noch so eindringlichen Kabinenansprache nicht einfach wegdiskutieren ließ.
Die Gäste versuchten es zur zweiten Halbzeit gleich mit vier personellen Veränderungen. Ein kompletter Umbau zur Pause, der allerdings eher an eine Renovierung erinnerte, bei der anschließend immer noch das Dach undicht ist. Denn nur sechs Minuten nach Wiederbeginn erhöhte Edgar Streich auf 3:0 (51.). Damit war der nächste Wirkungstreffer gesetzt. Die Viktoria hatte Blut geleckt, während der FV zunehmend mit der Erkenntnis konfrontiert wurde, dass Tabellenplätze auf dem Rasen keine Tore schießen. Caprino machte in der 67. Minute mit seinem zweiten Treffer das 4:0 perfekt, ehe Streich in der 87. Minute ebenfalls seinen Doppelpack schnürte. Fünf Tore, drei Torschützen, zwei Doppelpacker und ein Derby, das auf Jöhlinger Seite vermutlich noch einige Zeit für Gesprächsstoff sorgen wird. Für Wössingen dagegen war es ein Abend, den man am liebsten zusammen mit den Trikots in die Waschmaschine gesteckt hätte. Besonders pikant ist der Blick auf die Tabelle. Ausgerechnet der Zweite weist nach zwölf Begegnungen lediglich eine Tordifferenz von +1 auf. Die Jöhlinger verbesserten ihre Bilanz dagegen auf 19 Punkte und 26:22 Tore. Nur vier Zähler trennen die Ortsrivalen, obwohl zwischen ihnen fünf Tabellenplätze liegen. Ein 5:0 gegen den Tabellenzweiten liefert ein überzeugendes Argument dafür, dass der neue Kurs Früchte trägt. Für Wössingen gilt es nun, die Wunden zu lecken und wieder in die Spur zu finden. Der zweite Tabellenplatz ist noch vorhanden, das Selbstverständnis dürfte dagegen einige Kratzer abbekommen haben. Und während in Jöhlingen das Flutlicht irgendwann ausgeschaltet wurde, dürfte beim FV noch länger die rote Warnlampe gebrannt haben.

pfoschdeschuss • 07.11.26