Pfeife, Countdown und Schmuck – das ändert sich jetzt im Amateurfußball
Die Sommerpause ist vorbei. Die Trikots riechen noch frisch, der Rasen ist mehr gelb als grün – und der DFB hat sich wieder ein paar Neuerungen für das Regelwerk ausgedacht. Manche sind sinnvoll, manche gewöhnungsbedürftig und bei der einen oder anderen wird es am Sonntagmorgen auf den Sportplätzen sicher die ersten Diskussionen geben.
Hier die wichtigsten Änderungen – verständlich erklärt.
Schluss mit dem Zeitspiel?
Die auffälligste Neuerung betrifft Einwürfe und Abstöße. Der Schiedsrichter zählt künftig die letzten fünf Sekunden sichtbar mit der Hand herunter. Wird der Ball danach immer noch nicht ins Spiel gebracht, ist Schluss mit lustig. Beim Einwurf bekommt der Gegner den Ball, beim Abstoß gibt's Eckball für die gegnerische Mannschaft. Wer also bisher erst noch die Mitspieler sortiert, die Trinkflasche abstellt und dann gemütlich zum Einwurf schlendert, sollte sich umgewöhnen.
Auswechslung? Dann aber flott!
Auch beim Wechseln wird künftig aufs Tempo gedrückt. Verlässt ein Spieler nach der Anzeige des Wechsels nicht innerhalb von zehn Sekunden das Spielfeld, darf der Ersatzspieler erst bei der nächsten Spielunterbrechung hinein. Die Mannschaft spielt in dieser Zeit mit einem Mann weniger. Man darf gespannt sein, wie oft der klassische "Ich gehe noch einmal quer über den ganzen Platz"-Wechsel künftig zu sehen sein wird.
Behandlung auf dem Feld? Erstmal draußen bleiben.
Wer auf dem Spielfeld behandelt wird, muss das Feld anschließend verlassen und mindestens eine Minute draußen bleiben.
Davon gibt es allerdings einige Ausnahmen, etwa bei Torhütern, schweren Verletzungen oder wenn zwei Spieler derselben Mannschaft zusammenprallen. Die Regel soll verhindern, dass kleine Wehwehchen plötzlich zu minutenlangen Spielunterbrechungen werden.
Bislang konnte ein falsch ausgeführter Einwurf sofort abgepfiffen werden. Künftig darf der Schiedsrichter Vorteil laufen lassen, wenn die gegnerische Mannschaft den Ball ohnehin erobert und daraus eine aussichtsreiche Situation entsteht. Eine kleine Änderung – aber eine, die das Spiel flüssiger machen dürfte.
Keine Gelbe mehr trotz Notbremse?
Auch hier gibt es eine Anpassung. Wird eine offensichtliche Torchance durch ein Foul verhindert, der Schiedsrichter lässt aber Vorteil laufen und es fällt trotzdem ein Tor, gibt es künftig keine Verwarnung mehr für das ursprüngliche Foul. Das Tor zählt – die Karte bleibt in der Tasche.
Ja, tatsächlich. Schmuck und Accessoires dürfen künftig getragen werden - allerdings nur, wenn sie sicher abgedeckt sind und keine Gefahr darstellen. Ob das bedeutet, dass künftig mit Goldkettchen das Derby entschieden wird, darf allerdings bezweifelt werden. Die Empfehlung lautet weiterhin: Schmuck vor dem Spiel lieber ablegen.
Die meisten Änderungen verfolgen ein klares Ziel: Das Spiel soll schneller werden. Weniger Zeitspiel, weniger Verzögerungen und mehr Spielfluss – zumindest in der Theorie. In der Praxis wird es vermutlich ein paar Wochen dauern, bis sich Spieler, Trainer und Zuschauer daran gewöhnt haben. Sicher ist aber schon jetzt: Der erste Spieler, der nach einem Countdown den Einwurf verliert, wird garantiert behaupten, der Schiedsrichter habe viel zu schnell gezählt. Und der erste Trainer, dessen Mannschaft wegen eines gemütlichen Wechsels eine Minute in Unterzahl spielen muss, wird die neue Regel vermutlich als "völlig realitätsfern" bezeichnen. Langweilig wird es auf den Amateurplätzen also auch in der neuen Saison nicht. Und das ist vielleicht die einzige Regel, die sich nie ändern wird ... selbst in Zeiten eines Gianni Infantino, dessen Amtsführung von vielen wegen Raffgier, Selbstinszenierung und Korruptionsvorwürfen scharf kritisiert wird und der dennoch unangefochten an der Spitze des Weltfußballs steht.
pfoschdeschuss • 08.07.26