Die Weltmeisterschaft ist auch ein Turnier des Sehens und Gesehenwerdens. Die Weltmesse der Sportartikelhersteller. Wie bei den Teams finden wir auch hier die Etablierten und die Exoten. Herzogenaurach ist seit Jahrzehnten das Herzstück dieses Turniers, denn 25 der 48 Teams beziehen ihre Klamotten aus Bayern beziehungsweise Franken, wo Lothar Matthäus das Kicken erlernte und die Dassler-Brüder einst für eine Revolution sorgten. Mexiko, Südafrika, Katar, Schottland, Curaçao, Japan, Schweden, Belgien, Spanien, Saudi-Arabien, Argentinien, Algerien, Kolumbien und natürlich Deutschland treten mit den drei Streifen an. »Natürlich Deutschland?«
Für mich ist es immer noch ein Unding, dass Deutschland, das Land der Sportartikelfirmen, im kommenden Jahr nach siebzig Jahren adidas Nike-Trikots tragen wird. Das ist, als würde die Polizei auf Daihatsu bauen. Ich hätte mir gewünscht, dass trotz »Infantinos«, Katar, Fußball-Scheichs und Merchandising – was früher unter Vermarktung bekannt war – eine etwaige Verbundenheit und nationale Interessen über den Moneten stehen. Vielleicht bin ich ein Romantiker, vielleicht ein Spinner oder ein Stehengebliebener. Aber mit dem Patriotismus haben wir Deutsche ja bekanntlich ein großes Problem. Wer hierzulande ein Accessoire in den Landesfarben mit sich trägt, der ist zweifelsfrei ein Nazi. Der »gut erzogene« Alemanne trägt ein Bio-Büßer-Hemd, hisst die Regenbogenflagge und zieht seinen Sprössling in einer Ein-Zimmer-Wohnung hinter dem Bike, was einst als Fahrrad bezeichnet wurde, her.

Keiner war so oft Weltmeister wie adidas. Wir reden beim Unternehmen mit den drei Streifen von acht Weltmeistertiteln – so vielen wie kein Land der Welt. Gefolgt wird adidas nicht etwa von Nike, die erst im neuen Jahrtausend zweimal auf dem Treppchen standen, weil das US-amerikanische Unternehmen im letzten Jahrhundert so viel mit Fußball zu tun hatte wie die USA mit Soccer. An zweiter Stelle steht ein Laden namens Athleta, der zu Brasiliens Glanzzeiten drei Titel feierte. Wie Nike können auch Umbro und Le Coq Sportif auf zwei Titel zurückblicken. Italien machte das deutsche Unternehmen Puma 2006 zum einmaligen Weltmeister. In den nächsten Tagen beleuchten wir die Weltmeisterschaften und ihre Ausrüster.