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B-Klassen
... die Eimer sind verschwunden ...

Zu früheren Zeiten wunderte man sich über die Einwohner des fiktiven Schilda, die man Schildbürger nannte und die mit ihren Geschichten für Aufsehen sorgten - und die Menschen nicht selten zum Lachen brachten. Da fällt mir etwa die Geschichte mit dem Licht ein: Als man vergaß, im Rathaus Fenster einzubauen, erwog man ernsthaft, das Sonnenlicht mit Eimern ins Rathaus zu transportieren, um die dunklen Räumlichkeiten zu erhellen.

Heute übernehmen Politiker, die katholische Kirche und die Fußballverbände diesen Part. Nach dem Bruch eines Nimbus, der über ein Jahrhundert Bestand hatte - nämlich dass sich Mannschaften sportlich für ihre Ligen qualifizieren müssen -, verkündeten dieselben Gesellen die Einführung einer vierten B-Klasse. Wer will es ihnen verübeln? Womöglich haben sie noch gar nicht mitbekommen, dass der Vereinsfußball kränkelt wie nie zuvor und die Zahl der Mannschaften inzwischen derart zurückgeht, dass man demnächst eher die C-Klassen schließen könnte. Diesen Vorgang will man anscheinend beschleunigen.

Weil man nun noch mehr Teams für die vier B-Klassen benötigt und ein Abstieg aus dieser Liga mittlerweile nahezu unmöglich erscheint. Was vor Jahren noch als sportlicher Erfolg galt - der Aufstieg in die B-Klasse -, muss heute nahezu erzwungen werden, während die unterste Staffel gleichzeitig einen massiven Aderlass erleidet. Die Folgen liegen auf der Hand: eine Verwässerung der zweittiefsten Liga, ein sinkendes Niveau und damit ein weiterer Verlust jener Attraktivität, die ohnehin seit Jahren schwindet. Eine Reduzierung auf 14 Mannschaften pro Staffel war angesichts des heutigen Freizeitverhaltens der jüngeren Generation sicherlich nachvollziehbar, vielleicht sogar notwendig. Aber eine vierte B-Klasse? Nun muss alles nach oben, was in den vergangenen Jahren eigentlich gar nicht hoch wollte. Schließlich ist der Abstieg aus dem B-Klassen-Jargon kaum noch möglich, weil irgendwo ein Team die Flinte ins Korn wirft oder ein anderes mit einem Nachbarverein fusioniert. So ist es mittlerweile möglich, mit minimalem Ertrag B-Ligist zu bleiben.

Die C-Liga wird über kurz oder lang zu einer AH-Theken-Kolonne degradiert, die in den kommenden Jahren langsam versickert. Die verbliebenen Mannschaften müssen zwangsläufig in die B-Klasse aufrücken - ob sie können oder nicht. Anders lassen sich die teils grotesken Diskrepanzen innerhalb der einzelnen Ligen kaum erklären.

Ein Blick genügt:

Abstieg mit 2 Punkten.
Klassenerhalt mit 8 Punkten.
Zwangsabstieg mit 10 Punkten als Vorletzter, weil ein anderes Team schlappgemacht hat.

Man sieht also: Das Schildbürgertum weilt noch immer unter uns – nur anders verpackt. Die Eimer sind verschwunden. Geblieben ist die Methode.

pfoschdeschuss • 09.06.26