Baden-Württemberg friert »Alarmtufe II« ein
Wir wollen doch nur spielen!

Wir schreiben Dienstag, den 11.01.2022, und das aus Sicht der Landesregierung wohl Undenkbare ist passiert: Der AIB-Wert (Auslastung der Intensivbetten) liegt den fünften Tag in Folge unter 450. Was laut der heute Morgen noch gültigen Verordnung die Rückkehr von der Alarmstufe II in die »normale« Alarmstufe bedeutet hätte, wurde durch einen Beschluss des Kabinetts heute kurzerhand, und sozusagen in letzter Sekunde, verhindert. Der AIB-Wert fällt seit fünf Tagen stetig von 443 über 442, 431 und 426 auf heute 406. Damit schien sogar die Warnstufe (AIB-Wert unter 390) wieder in greifbarer Nähe, die Training und Spiele unter 3G-Bedingungen erlaubt hätte.

Stattdessen wird die Alarmstufe II nun bis mindestens 01.02.2022 »eingefroren«, wie es aus Stuttgart heißt – und zwar völlig unabhängig von sämtlichen Inzidenzen. Wäre ja noch schöner, wenn man den Vereinen und ihren Mitgliedern die Ausübung ihres liebsten Hobbys wieder ohne möglichst hohe Hürden erlauben würde. Dabei müssen wir Fußballer uns sogar noch glücklich schätzen, dass unser Hobby mit Ausnahme weniger Wochen im Jahr weitestgehend im Freien stattfindet und für uns »2Gplus« nur beim Hallentraining gilt. Aber schon die Nutzung von Kabinen, Duschen und Clubhaus (sofern diese nicht im Freien sind …) bedeuten unter diesen Umständen »2Gplus«.

Und auch Fußballer spielen natürlich am liebsten vor möglichst vielen Zuschauern. Diese werden nach Lage der Dinge aber nur als »2Gplus« zugelassen. Diesen Aufwand wird nicht jeder auf sich nehmen, der einfach nur seine Mannschaft vom Spielfeldrand unterstützen und dabei vielleicht noch das eine oder andere Kaltgetränk in vertrauter Runde zu sich nehmen möchte.

Während sich unsere europäischen Nachbarn, und selbst Südafrika als mutmaßliches Mutterland von »Omikron«, immer lockerer machen – und es nirgends zu gravierenden Überlastungen in den Krankenhäusern gekommen ist – tun sich die Regierenden im Ländle und der Bundesrepublik sichtlich schwer damit, einmal auferlegte Einschränkungen wieder zurückzunehmen. Dass Omikron nach Studienlage offensichtlich deutlich mildere Verläufe an den Tag legt, und es viel seltener zu Krankenhauseinweisungen kommt, hat sich offenbar noch nicht bis nach Stuttgart und Berlin herumgesprochen.

Die Politik ist auf dem besten Wege, das letzte Quäntchen Vertrauen zu verspielen, das beim einen oder anderen noch übriggeblieben ist. Warum kommt so ein Beschluss ausgerechnet heute, wo die Rückkehr in die Alarmstufe I »drohte«? Hatte man in Stuttgart vielleicht bis zuletzt noch »gehofft«, der AIB-Wert würde schon wieder über 450 steigen? Ist man sich inzwischen zu sicher geworden, dass man ohnehin alles machen kann, ohne dass es ernsthaft hinterfragt wird? Wäre es nicht glaubwürdiger gewesen, die Abkehr vom bisherigen Stufenmodell auf Grundlage des AIB-Wertes und der Hospitalisierungsinzidenz frühzeitig und klar zu kommunizieren?

Wir wollen doch nur spielen!

Kai Rebmann - 11.01.22