Nikolai Kersch (24, FC Südstern 06 Karlsruhe)
Ich habe noch nie in meiner Karriere in einer so geilen Gruppe gekickt


pfoschdeschuss

Servus Niko. Den FC Südstern Karlsruhe bezeichne ich gerne als graue Maus der A-Klasse. Seit Jahren wandeln die Sterne zwischen Mittelfeld und Abstiegsnot und wirken verdammt launisch. An was liegt das?

Nikolai Kersch

So lange bin ich zwar noch nicht dabei, aber den Begriff »graue Maus« habe ich jetzt auch schon öfter gehört. Ob man es nun als launisch oder vielleicht auch konstant betrachtet, ist denke ich Ansichtssache. Ich denke wir haben auch in dieser Hinserie wieder gezeigt, dass wir mit jeder Mannschaft mithalten und sie auch schlagen können. Natürlich ist es unser Ziel, konstanter Sonntag für Sonntag unser Spiel zu spielen und Punkte einzufahren. Daran werden wir auch in der kommenden Winter-Vorbereitung wieder arbeiten.

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Was wäre denn in der kommenden Saison maximal drin für den FCS?

Nikolai Kersch

Letztlich will jede Mannschaft jedes Spiel gewinnen, das ist auch unser Ziel und so gehen wir in jedes Spiel. Wir müssen versuchen, Konstanz in unsere Leistungen zu bringen und dann sehen, was möglich ist. Meiner Meinung nach ist die A-Klasse offen wie nie, daher will ich nichts ausschließen. Die Mischung aus jung und alt, die unsere Mannschaft dieses Jahr auszeichnet, muss sich vielleicht noch ein Stück weit finden, um konstant oben mitzuspielen. Jedoch sehe ich eine vielversprechende Zukunft mit dem derzeitigen Kader.

Vereine (Jugend)

SpVgg 06 Ketsch
VfR Mannheim
Ludwigshafener SC
VfL Neckarau
TSV 05 Reichenbach


Vereine (Senioren)

TSV 05 Reichenbach
SpVgg 06 Ketsch
SV Hohenwettersbach
FC Südstern 06 Karlsruhe

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Werden wir dich in der nächsten Runde weiterhin am Dammerstock Fußball spielen sehen?

Nikolai Kersch

Ich fühle mich beim FCS sehr wohl, habe noch nie in meiner Karriere in einer so geilen Gruppe gekickt - das macht einfach Spaß! Auch wenn es bei uns auf und ab geht, ist der mannschaftliche Zusammenhalt ungemein groß. Sollten sich beruflich im kommenden Jahr keine neuen Wege aufzeichnen, trage ich auch nächstes Jahr voller Stolz das blau-weiße Trikot.

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Du hattest eine bewegte Vergangenheit in der Jugend. Wie kamen die Wechsel von Ketsch nach Mannheim; von Mannheim nach Ludwigshafen und von Ludwigshafen nach Reichenbach zustande?


Nikolai Kersch

Viele der Wechsel waren Folgen eines Wohnortswechsels. Zunächst bekam ich in der C-Jugend die Chance, in Mannheim Verbandsliga zu spielen. Damit wollte ich mich dann nicht zufriedengeben und habe mein Glück erst in Ludwigshafen und dann nochmals beim VfL Neckarau versucht. Aufgrund eines Umzuges nach Karlsruhe bin ich dann in der A-Jugend zum TSV Reichenbach gewechselt. Hier sammelte ich auch meine ersten Erfahrungen im Herrenbereich, worüber ich sehr dankbar bin.

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Was würdest du in deiner jungen Karriere als sportlich größten Erfolg bezeichnen; was hingegen siehst du als deine schwärzeste Stunde im Fußball?

Nikolai Kersch

Der Landesliga-Aufstieg im Herrenbereich mit meinem Heimatverein Ketsch war schon eine ganz besondere Geschichte. Teil dieser Mannschaft gewesen zu sein und einen Großteil der Spiele zu absolvieren und so einen Beitrag zum Aufstieg zu leisten, fühlte sich richtig gut an.

Ich vermeide es generell, von schwarzen Stunden oder ähnlichem zu sprechen. Ich denke, man muss aus allem seine Lehren ziehen. Und eines habe ich in meiner »bewegten Vergangenheit« gelernt: Der Spaß am Fußball ist unverzichtbar - ohne geht nichts.

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Nikolai K würde nie …

Nikolai Kersch

Nikolai Kersch würde nie ein Training ausfallen lassen - es sei denn eine Krankheit zwingt ihn dazu.

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Dein bisher bester Mitspieler; dein bisher bester Trainer und wen würdest du als verrücktesten Vogel im positiven Bereich bezeichnen?

Nikolai Kersch

Bester Mitspieler: Christian Zeilfelder in Ketsch. Routinier in der Innenverteidigung, von dem ich mir viel abschauen konnte. Auch mit Ende 30 hat er in der Landesliga noch nahezu jeden Stürmer durch seine Spielweise aus dem Spiel genommen. Nach dem Spiel war er jedoch stets der erste, der mit seinem Gegenspieler zur Versöhnung ein Bier trank.

Bester Trainer: Karl Müller in der Jugend beim VfR Mannheim. Unter ihm habe ich nicht nur fußballerisch und taktisch unfassbar viel gelernt. Er lehrte uns zudem, unter Druck zu arbeiten und in den Spielen mit Druck umzugehen. So wurden wir knapp hinter der damaligen »Ersten« der TSG Hoffenheim Zweiter.

Verrücktester Vogel: Mein Mitspieler Jasper. Der würde sonntags auch mit 3 Promille noch 90 Minuten das Mittelfeld beackern - kannst du nicht lernen.

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Wie siehst du die Zukunft des Amateurfußballs in Deutschland?

Nikolai Kersch

Ich hoffe, dass der Fußball und gerade der Amateurbereich ein Sport für alle bleibt. Die Menschlichkeit muss erhalten bzw. weiter gefördert werden. Gerade mit Blick auf den Bereich Integration sehe ich im Amateurfußball enorme Potenziale. Weiterhin bleibt zu hoffen, dass der Amateurbereich seine Rolle behält und auch in Zukunft mehr Wert auf die Kiste Bier nach dem Spiel legt als auf das liebe Geld.

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Wem würdest du gerne welche Frage stellen?

Nikolai Kersch

Ein persönliches Gespräch mit Barack Obama würde mich sehr reizen. Mich inspiriert, wie er trotz aller Widrigkeiten seinen Traum weiterverfolgte und erster schwarzer Präsident der USA wurde. Wahrscheinlich würde ich mit ihm über Menschlichkeit und den Umgang mit Sieg und Niederlage im Leben sprechen wollen.

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Was machst du wenn der Ball nicht im Mittelpunkt steht?

Nikolai Kersch

Filme schauen oder den Ball in die Halle werfen: Ich bin Lehrer für Sport und Geschichte an der Realschule.

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Drei Wünsche für die Zukunft?

Nikolai Kersch

In diesen Zeiten vor allem Gesundheit. Für mich persönlich noch einen Arbeitsort rund um Karlsruhe, um noch ein paar Jahre für den Südstern am Ball bleiben zu können.


pfoschdeschuss - 12.01.22