Fußball in Karlsruhe
Jugendfußball im Kreis Karlsruhe: Erneuter Spielabbruch bei den D-Junioren

Mit einem schrillen Missklang ging das Kalenderjahr 2017 im Karlsruher Jugendfußball zu Ende: Im Rahmen des traditionellen Herbert Becker-Gedächtnisturniers des TSV 05 Reichenbach kam es bei den D-Junioren am 29. Dezember zu einem Abbruch des Endspiels zwischen dem CfR Pforzheim und dem Karlsruher SV. Auf der Homepage der Reichenbacher steht dazu zu lesen: »Das Finale wurde aus Sicherheitsgründen beim Stand von 0:0 von der Turnierleitung abgebrochen, als es infolge einer unglücklichen Schiedsrichterentscheidung Unruhe zwischen den dem Spiel zuschauenden Familienangehörigen der beiden Finalteams gab.« Im Klartext: Elternfehlverhalten veranlasste den umsichtigen und erfahrenen Reichenbacher Jugendleiter Martin Steigert dazu, hier maßregelnd einzuschreiten. Traurig, wenn dies bei einem Spiel von Kindern im Alter von 11 oder 12 Jahren notwenig wird.
Bereits am 04. Oktober des vergangenen Jahres war es am Rüppurrer Brunnenweg nach einer roten Karte gegen einen Gästeakteur und anschließenden Rangeleien und Pöbeleien zwischen Zuschauern zu einem Abbruch der Partie SG FG/DJK Rüppurr gegen SVK 1884/1898 Beiertheim 2 gekommen, ebenfalls bei den D-Junioren, in der Leistungsstaffel (Kreisklasse 1). Die Wertung der Begegnung erfolgte zwischenzeitlich mit einem 1:0 für Rüppurr.

Ereignisse wie diese dürfen nicht totgeschwiegen werden und sind in erster Linie eines: Eine Schande! Und ein Ausweis dessen, was im heutigen Jugendfußball ein zentrales Problem darstellt: Übertriebener Ehrgeiz von Eltern! Dem hiesigen Landesverband bfv und dem Fußballkreis Karlsruhe kann hier keiner einen Vorwurf machen, denn diese Institutionen unternehmen schon seit Jahren vieles, um Eskalationen zu vermeiden. Beim Verbandstag des bfv 2010 wurde beschlossen, dass bei jedem Spiel von jedem Verein ein so genannter Platzordnerobmann gestellt werden muss »Dieser Obmann soll bei Vorfällen (z.B. mit Zuschauerbeteiligung) verstärkt reagieren und schlichtend einschreiten«, heißt es in den Handlungsempfehlungen des bfv, der dies längst auf den Jugendbereich ausdehnte. Ein weiteres Beispiel ist die Einführung der »FairPlayLiga« bei den F-Junioren und teilweise den E-Junioren. Hier gelten drei wichtige Regeln: Erstens die Fanregel, die einen Abstand aller Zuschauer von circa 15 Metern zum Spielfeld anregt, um so zu starke Einmischungen von Eltern zu unterbinden. Zweitens die Trainerregel, die das möglichst sachliche und einvernehmliche Coaching durch die Trainer in der Coachingzone vorsieht und schließlich die Schiedsrichterregel, also das Spielen der Kinder ohne Schiedsrichter, verbunden mit der Aufgabe, selbst über Foul, Handspiel, Einwurf oder Ecke zu entscheiden.« Unter der Ägide des kompetenten und engagierten Kreisjugendleiters Bernd Bastian wurde die »FairPlayLiga« bei den Kleinsten im Spielbetrieb des Kreises Karlsruhe Zug um Zug eingeführt. Zahlreiche Fairplay-Kampagnen der vergangenen Jahre beweisen außerdem, dass das Thema beim bfv und dem Fußballkreis wirklich präsent ist. Noch am 13. Oktober 2017 erging ein Schreiben des bfv-Präsidenten Ronny Zimmermann an alle Vereine im Verbandsgebiet, in dem unter dem Motto »Gewaltfrei und fair auf unseren Sportplätzen« der Fairplay-Gedanke erneut betont wurde. All dies wird jedoch von manchen Eltern und auch Trainern noch immer ignoriert, ja geradezu mit Füßen getreten, wie die oben genannten Beispiele oder auch der Abbruch eines E-Jugendspieles zwischen Grünwinkel und Siemens im Jahr 2015 zeigen.

Vor einigen Wochen erhielt ich Kenntnis darüber, dass sich ein Jugendtrainer, dessen Team in der gesamten Vorrunde in Liga und Pokal ungeschlagen blieb, dazu genötigt sah, sich vor einigen seiner Spielereltern rechtfertigen zu müssen, weil er in einem Spitzenspiel auf Kreisebene zur Pause mehrere Spieler auswechselte, um allen Akteuren Spielpraxis zu geben, was im Jugendfußball selbstverständlich sein sollte. Wenn es soweit kommt, wird die schönste Nebensache der Welt ad absurdum geführt! Die Vereine sind allesamt angehalten, solche Missstände zu bekämpfen und ihren Trainern in Konflikten mit überehrgeizigen Eltern den Rücken zu stärken, ihre Übungsleiter aber auch zu schulen und zu qualifizieren. Denn wenn Trainer die Stimmung unter den Eltern und Spielern noch anheizen, indem sie lautstark und permanent Schiedsrichter kritisieren oder im Training bewusst Fouls einstudieren lassen, sollten die Verantwortlichen schon etwas genauer hinsehen…Und nicht nur die Tabelle begutachten. Erfolg wollen wir alle, aber das Fairplay darf nicht auf dem Altar des Strebens nach Titeln geopfert werden… Dies muss nicht zuletzt Eltern klar sein - oder eben klar gemacht werden: Im Jugendfußball ist es das Spiel der Kinder, nicht der Erwachsenen!

pfoschdeschuss - ws - 07.01.2018




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