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letzter Abteilungsleiter der Sparte, Fußball, beim ASV Grünwettersbach



   
pfoschdeschuss : Servus Jochen. Du warst/bist seit 30 Jahren Mitglied beim ASV Grünwettersbach. Was war dein größter sportlicher Erfolg?
Jochen Kappler : Ich bin seit 18.06.1972 beim ASV Mitglied. Größter Erfolg war Aufstieg und Meister der B-Klasse 1997/1998 in die A- Klasse.
pfoschdeschuss : Ist es richtig dass eure aktuelle Herren-Fußballmannschaft trotz sportlicher Misere eine personelle Expansion erlebte?
Jochen Kappler :Ja,wir haben ca 25 junge Spieler zwischen 18 und 23 Jahre. Der Älteste ist 39 gefolgt von einem 35 jährigen und dann alles unter 25.
pfoschdeschuss : Nun waren quasi massig Spieler vorhanden, die Stimmung im Team war hervorragend, Trainer und Mannschaft kosteten kein Geld, ein Sportplatz mit allem Drumherum ist da und zudem nennt sich der Verein "Allgemeiner Sportverein". Gehört der Volkssport "Fussball" nicht zur Allgemeinheit?
Jochen Kappler :Zu der Stimmung: ich habe die letzten 25 Jahre keine bessere Stimmung unter der Mannschaft gespürt als jetzt. Allgemeiner Sportverein ist schon richtig es gibt mehrere Abteilungen. der Fußball bleibt immer Volkssport Nummer 1 aber nicht beim ASV.Wir haben in der C-Liga im Verhältnis oft mehr Zuschauer als in anderen Sportarten. Es ist immer gefährlich wenn Abteilungen zu schnell wachsen, oft fallen sie tiefer als mal denkt. Ich persönlich habe das auch beim ASV schon erlebt.
pfoschdeschuss : Und trotzdem wurde die Fußballabteilung abgemeldet. Was waren die Gründe für die Abmeldung?
Jochen Kappler :Gründe, ja die suchte man schon seit Jahren vor meiner Zeit als Abteilungsleiter. Einmal hing es an der Führung dann dass einige keine Mitglieder beim ASV sind.Komisch aber in anderen Abteilungen gibt es das auch, der sportliche Teil wurde diskutiert, ich kann nicht alles aufzählen - es würde reichen für ein ganzes Buch.
pfoschdeschuss : Hättest du als Abteilungsleiter nicht mit am runden Tisch sitzen müssen?
Jochen Kappler :Ich denke schon wenn man das gewollt hätte, aber man suchte kein Gespräch. Im Gegenteil, es wurde vom Vorstand hinter unserem Rücken über einen Stellvertreter versucht uns zu einem Rücktritt zu bewegen, dem wir auch nachgekommen wären. Es standen schon Nachfolger fest aber dann hieß es wieder es wäre zu spät. Der 1. Vorsitzende würde dann bei seinen Kollegen sein Gesicht verlieren. Aber nach der Satzung hätte ich gleich informiert werden müssen. Der Abteilungsleiter erfuhr es auch erst wie alle Mitglieder, in der Jahreshauptversammlung, über die Gespräche am runden Tisch des geschäftsführenden Vorstandes. Und als die 1.Jahreshauptversammlung abgebrochen wurde, da ein Formfehler bei der Einladung zur Versammlung vom Vorsitzenden gemacht wurde, und dieser Fehler durch ein Mitglied der Fußballabteilung entdeckt wurde, verschlimmerte sich die Lage noch mehr.
pfoschdeschuss : Wie sah euer Konzept aus?
Jochen Kappler :Eine Mannschaft aufbauen die kein Geld kosten darf, kein bezahlter Trainer, Spaß am Fußball und alle Spieler sollten Mitglied werden. Kamerradschaft steht an erster Linie und die Mannschft sollte nicht unter Druck stehen. Die Verwaltung stimmte auch diesem Konzept zu und jetzt mußte ich, wie auch du, durch den Abteilungsleiter vom Tischtennis in der BNN erfahren, dass unser Konzept nur ein " Stichwort-Papier" war. Da er ja selbst zustimmte verstehe ich diese Aussage nicht. Vieleicht war es ja auch nur ein Schreibfehler.
pfoschdeschuss : Der Lokalmatador, SC Wettersbach, steht am Höhepunkt seiner Vereinsgeschichte. Hätte es überhaupt noch Sinn gemacht den ASV-Fußball aufrecht zu halten?
Jochen Kappler :Ich denke es gibt immer Höhen und Tiefen in einem Verein. Beim SCW wird seit Jahren gute Arbeit betrieben, ich glaube auch nicht, dass sich da die Fußballabteilung von anderen Abteilungen in die Suppe spucken ließe. Wir haben eine junge Truppe gehabt die man über Jahre hätte führen können. Es wäre ein Musterbeispiel für andere Vereine gewesen, dass man auch ohne Geld Fußball spielen kann. Natürlich, auf einer Ebene höchstens B-Liga, vielleicht A-Liga. Jetzt möchte man ja eine Freizeitmannschaft aufbauen - das Durchschnittsalter geht bestimmt nach oben aber der Spaß am Fußball wird vielleicht bleiben.
pfoschdeschuss : Einst nannte sich der ASV „die Nummer 1 der Bergdörfer“. Was ist seitdem schiefgelaufen?
Jochen Kappler :Ja was ist schiefgelaufen? Man hat jahrelang teilweise auf falsche Spieler gesetzt aber auch der Nachwuchs blieb auf der Strecke. Wenn man eine Fußballjugend hatte kamen meistens wieder Leute daher mit einem anderen Konzept. Es wurde auch durch Gönner viel Geld in die Mannschaften gesteckt und die Kameradschaft blieb dadurch auf der Strecke. Ein Namen möchte ich noch erwähnen - Ottmar Ludwig - mit ihm verloren wir nicht nur einen großartigen Menschen, er war auch ein großer Teil dieser Fußballfamilie.
pfoschdeschuss : Könnte man sich eine Rückkehr in den Fußball vorstellen wie das einst der KFV fabrizierte?
Jochen Kappler :Im Augenblick nicht da in der jetztigen Vorstandschaft Leute sitzen die nur für ihre Abteilungen da sind und dadurch ihre Interessen bevorzugen. Dann sind viele Mitglieder der Fußballabteilung ausgetreten, genau die Leute, die für den Verein alles getan haben. Nicht nur für den Fußball sondern gerade beziehungsweise auch für die Infrastruktur (Vereinsheim, Halle etc)
pfoschdeschuss : Wie siehst du die Zukunft des Gesamtvereins?
Jochen Kappler :Ich lasse alles auf mich zukommen, der Verein wird von kompetenten Leuten geführt, da bleibt halt wie du Eingangs erwähnt hast, der Volkssport auf der Strecke. Aber was für ein Vorstand meldet eine Fußballabteilung nicht zum Spielbetrieb an, wo er doch in einigen Sitzungen verlauten ließ, er findet es toll dass die Mannschaft kein Geld bekommt und trotzdem zusammenhält. Welche Führung lässt Mitglieder, die 60 Jahre in einem Verein sind, ziehen. Ich würde sagen es wird schwer die Verluste aufzufangen, man wird sehen. Ich habe mir so meine eigenen Gedanken gemacht, Gedanken machen ist gestattet.
pfoschdeschuss : Die Jungs sind nun geschlossen nach Etzenrot und werden dort als Zweite fungieren. Was macht Jochen Kappler nun ohne ASV-Fussball?
Jochen Kappler :Mein Herz schlägt weiter für den Fußball und ich werde meine Jungs bestimmt unterstützen. Ich habe gerade gestern was gelesen in der Zeitung: Walter Ulbricht
„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten, der Vorstandschaft vom ASV hat nie die Absicht eine Abteilung aufzulösen, es gibt nur eine Freizeitmannschaft". Ob ich da spielen werde? Da werden andere Namen gehandelt, ob ich da eine Chance bekomme, wer weiß. Da gibt es ja noch andere Sportarten wie Tischtennis oder Wandern für das Freizeitvergnügen. Ich lass es auf mich zukommen und zudem, es kann auch ein anderer Name sein zB.FC,TSV,SC,SV usw. Nur ein Verein wo man Fußballspielen darf, sollte es sein.
pfoschdeschuss : Was macht die AH des Vereins?
Jochen Kappler :So viel ich weiß stehen sie geschlossen hinter der Fußballabteilung und treten aus. Der eine oder andere Spieler wurde noch mal gebeten sich den Austritt zu überlegen und seine Erfahrung in die neue Mannschaft einzubringen. Das Problem wäre, es sind keine Ja-Sager und dann wären sie gleich wieder Störenfriede. 
pfoschdeschuss : Was passiert mit dem Sportgelände? Auch die Damenmannschaft hat ihre Probleme und mussten im vergangenen Jahr Spiele absagen?
Jochen Kappler :Das Sportgelände wird genutzt von den Damen und Mädchen, bei denen ich mich noch bedanken möchte für die gute Zusammenarbeit. Was den Damen-Fußball angeht hätte man sich von Vorstandseite eher darum kümmern müssen als um die Herren. Als der Abteilungsleiter zurücktrat und ein neuer Mann gewählt wurde vor ein paar Wochen, gingen mit ihm die wichtigsten Spielerinnen der Mannschaft sodass man die letzten zwei Spiele absagen musste. Warum man die Versammlung nicht nach der Verbandsrunde machte ist eine Frage.
pfoschdeschuss : Der Fußballabteilung wurde vorgeworfen sich zu isolieren. Was fällt dir dazu ein?
Jochen Kappler :Ich denke das können nicht Leute beurteilen die mit der Abteilung oder mit dem Vereinsleben nichts zutun haben. Die Mannschaft verbrachte immer ihre Trainings bzw. Spielabende im Vereinsheim. Hat auch ihre interne Weihnachtsfeier Im Rodel 7 veranstaltet sodass auch die Wirtsleute sehr zufrieden waren. Wir haben einen Arbeitseinsatz (Sträucher und Grünzeug schneiden) am Sportplatz mit 20 Leuten organisiert, haben als Abteilung selbst für Essen und Getränke gesorgt. Selbst ein dreitägiges Trainingslager wurde von den Spielern unter dem Namen ASV selbst finanziert. Da kam von Vereinsseite bis heute kein Cent. Bestimmt einmalig in Deutschland. Aber es soll mir dann bitteschön niemand kommen wir hätten nicht am Vereinsleben teilgenommen.
pfoschdeschuss :Dein Wunsch für die Zukunft?
Jochen Kappler :Zunächst einmal viel Gesundheit für mich und meiner Familie,Freunde und der vertriebenen ASV-Familie.Natürlich auch meinen Jungs in Etzenrot viel Erfolg und sportlich alles Gute.
Karlsruhe , den 18.06.2011