Jugendvereine

ASV Wolfartsweier

Seniorenvereine :

ASV Wolfartsweier
VfB 1904 Grötzingen
SV Spielberg
VfB 1904 Grötzingen
FV 04 Wössingen (Stand by)
FV Ötigheim (Stand by)
SC Wettersbach  (Stand by)

Seniorenvereine :

VfB 1904 Grötzingen
Deutsche Gehörlosen Nationalmannschaft
BFV: U 15 und U14 Co-Trainer





   
pfoschdeschuss : Servus Frank. Viele kennen dich als Teil einer Erfolgsstory des VfB 1904 Grötzingen. Seit 2000 trainierst du die Deutsche Nationalmannschaft der Gehörlosen. Zudem tauchst du immer wieder als Torschütze der Zweiten des SC Wettersbach auf? Was fesselt sich am Fußball?
Frank Zürn : An erster Stelle steht wie bei jedem anderen Mannschaftssport Kameradschaft und Geselligkeit. Außerdem fasziniert mich der Wettkampf und der Vergleich mit gegnerischen Mannschaften. Auch ob zum Beispiel Überlegungen zum Gegner und zur eigenen Taktik dann aufgehen oder nicht…nicht zuletzt halte ich Fußball für eine hochkomplexe koordinative Aufgabe…es macht einfach Spaß zu kicken!
pfoschdeschuss : Wie können wir uns deinen Job bei den Gehörlosen vorstellen. Dabei geht es mir um das Organisatorische. Wo ist der Hauptsitz? Wie werden die Spieler gesichtet? Wo wird gemeinsam wie oft trainiert und wie läuft eine Turnierteilnahme ab?
Frank Zürn :•    Hauptsitz des Deutschen Gehörlosen Sportverbandes ist Essen.
•    Die Spielersichtung gestaltet sich schwierig, da kaum Mittel zur Verfügung stehen. Deshalb organisieren wir ähnlich wie der DFB einmal im Jahr Bundesländerpokal, wo sich junge Auswahlspieler der jeweiligen Landesverbände gegenüber stehen.
•    Mittel stehen außerdem für drei Lehrgänge im Jahr, die immer an verschiedenen Sportschulen in Deutschland stattfinden. Die Sportschule Schöneck wird dabei natürlich am liebsten von uns freqentiert.
•    Wir nehmen regelmäßig bei Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und olympischen Spielen teil…Diese laufen nach den Regeln der UEFA bzw. FIFA ab und unterliegen somit dem gleichen Modus
pfoschdeschuss : Wie kamst du zu diesem Amt und wie lange wirst du voraussichtlich diese Berufung ausüben?
Frank Zürn :Naja ... es war in der Gehörlosenwelt bekannt, dass ich ziemlich viel mit Fußball am Hut habe (Damals habe ich den VfB Grötzingen in der Landesliga als Spielertrainer betreut) und gehörlose Eltern habe. Grundkenntnisse in der Gebärdensprache und das Wissen um die Mentalität von Gehörlosen haben wohl den Ausschlag gegeben mich anzusprechen. Keine Ahnung wie lange ich das noch machen werde. Ich denke aber tatsächlich nur noch von Jahr zu Jahr. Es wird einfach immer schwieriger Beruf, Familie und den Job als Bundestrainer unter einen Hut zu bringen.
pfoschdeschuss : Das Jahr 2008  - Griechenland - Weltmeister! Kannst du mit drei vier Sätzen erklären wie das Abenteuer – Weltmeisterschaft – einwirkte? Anreise, Aufenthalt und Erfolg ...
Frank Zürn :2003 sind wir ja schon Europameister in Spanien geworden. 2008 aber wurde überhaupt erst die erste Gehörlosen-WM ausgerichtet und wir sind dort mit einem sehr jungen Team als absoluter Außenseiter angetreten, daher waren diese Spiele schon was ganz besonderes. Vor allem weil alle Spiele unglaublich knapp waren. Im Finale gegen die Türkei beispielsweise, haben wir erst in der allerletzten Spielsekunde der Verlängerung durch einen Freistoß aus 40 Metern ein Unentschieden erreicht und dann das Elfmeterschießen für uns entschieden. Das war schon extrem nervenaufreibend, aber natürlich ziemlich geil!
pfoschdeschuss : Du bist nun seit 11 Jahren im Amt. Was muss verbessert werden, was wurde bereits verbessert im Laufe deiner Amtszeit im Bereich – Organisation, Öffentlichkeitsarbeit, Präsentation und Sichtung?
Frank Zürn :Das liebe Geld ist sicherlich das größte Problem. Lehrgänge, Sichtungen und Ausrüstung werden immer weiter gekürzt. Teilweise sind sogar Welt- und Europameisterschaften, die am Ende eines Jahres liegen gefährdet, weil einfach alle Gelder aufgebraucht sind. Zudem muss bei Unterkünften und Flügen gespart werden. Das ist mit dem Möglichkeiten im hörenden Sport überhaupt nicht zu vergleichen. Es gibt Länder mit deutlich besseren Bedingungen…Türkei, Ukraine, Russland…davon können wir aber nur träumen. Umso erstaunlicher, dass wir seit 11 Jahren immer unter die letzten vier kommen.
 Organisatorisch läuft in Welt- und Europaverband alles nach Regularien der FIFA, bzw. UEFA. Leider macht das in manchen Bereichen, z.B. Doping- und Sportmedizin kaum Sinn, weil einfach die finanziellen Möglichkeiten beschränkt sind. Bewährt hat sich das Zentralisieren der Sichtungen. Die Bundesländervergleichswettkämpfe sind sehr lohnend.
Öffentlichkeitsarbeit ist sehr schwierig und notorisch unterbesetzt. „Leider“ ist Gehörlosigkeit nicht medienwirksam, somit ist Sponsoring und öffentliches Interesse nur sehr schwierig zu erreichen.
pfoschdeschuss : Der Aufschwung des VfB Grötzingen ist stark mit dem Namen, Frank Zürn, verbunden. Was war damals das Geheimrezept der Grötzinger und was ist seitdem schiefgelaufen?
Frank Zürn :Damals hat einfach alles zusammengepasst. Eine ganz starke Mannschaft, ein Trainer, der auch als Spieler sehr viele Impulse geben konnte und ein Umfeld, das den Verein und die Mannschaft ohne wenn und aber getragen hat. Später wurde ist zunächst altersbedingt die tragende Generation weggebrochen. Das hat sich sukzessive auf den ganzen Verein negativ ausgewirkt. Als ich später dann als Spielertrainer zurückkam mussten beispielsweise mein Co-Trainer Andi Klose und ich sehr viele Dinge bewältigen, für die früher mehrere Personen zuständig waren. Es gab einfach nur noch sehr wenige Leute, die sich engagieren konnten und wollten. Was in jüngerer Vergangenheit dann noch weiter schief gelaufen ist vermag ich nicht zu sagen, aber ich denke das war das Grundproblem.
pfoschdeschuss : Du bist Wolfartsweierer und gar recht spät weg vom Heimatverein. Hat es jemals Gedanken oder Möglichkeiten gegeben nochmals zum Heimatverein zurückzukehren?
Frank Zürn :Ich bin eigentlich Durlacher und  dann später mit meinen Eltern nach Berghausen gezogen. Ich habe aber immer noch Kontakte nach Wolfartsweier ... die Zeit dort hat mir sehr viel gegeben und mich sehr geprägt. Trotzdem hat es sich für mich nicht wirklich angeboten dorthin zurückzukehren. Aber man weiß ja nie …
pfoschdeschuss : Inzwischen spielst du als 43-Jähriger Spieler in der B-Liga beim SC Wettersbach II und stehst ständig unter den Schützen, vorausgesetzt deine Termine lassen es zu und du läufst auf. Was ist das Rezept deiner Fitness oder ist die Liga einfach zu schwach (-; ?
Frank Zürn :Ich kicke einfach gerne und  fühle mich bei den Jungs in Wettersbach ganz wohl. Jeder im Verein gibt mir das Gefühl dort willkommen zu sein. Auch wenn ich altersmäßig von den meisten Mit- und Gegenspielern der Vater sein könnte … Leider kann ich weder regelmäßig trainieren noch spielen. Manchmal wundert es mich auch, dass es unter diesen Voraussetzungen noch ganz ordentlich klappt.
pfoschdeschuss : Als jahrelanger Trainer – wer war eigentlich dein größter Mentor und welcher deiner Spieler oder Mitspieler in deiner Karriere war die größte Granate?
Frank Zürn :Ich habe in dieser Zeit viele großartige Persönlichkeiten und Spieler getroffen. Ich hätte echt Angst irgendjemand wichtigen zu vergessen, wenn ich anfange aufzuzählen…deshalb lasse ich das lieber…
pfoschdeschuss : In welchen Ligen sind die besten deiner Jungs (Nationalmannschaft) zuhause?
Frank Zürn :Die meisten spielen im unteren Amateurbereich, einige in Landesligen, zwei in der Oberliga.
pfoschdeschuss : Ich kann mich noch daran erinnern dass wir einst eine Mannschaft des Gehörlosen SV Karlsruhe in der B-Klasse installiert hatten. Wäre eine solche Geschichte in der heutigen Zeit nochmals machbar?
Frank Zürn :Das Problem war wohl die Doppelbelastung. Samstag wird die deutsche Gehörlosenmeisterschaft gespielt und Sonntag die hörende Runde. Im Frankfurter Raum gibt es noch eine Mannschaft die in der normalen Runde spielt. Theoretisch wäre es also gut möglich.
pfoschdeschuss : Wie siehst du als alter Hase die Zukunft des Vereinsfußballs?
Frank Zürn :Schwierige Frage. Ich fürchte das viele kleinere Vereine in Zukunft große Schwierigkeiten bekommen werden was Mitgliedszahlen und Aktive angeht. Eine Lösung könnten Zusammenschlüsse von mehreren Vereinen sein, die ein breites Dienstleistungsangebot bieten und somit Familien an den Verein binden. Ähnlich wie es z.B.  der Postsportverein tut.
pfoschdeschuss : Wem würdest du gerne welche Frage stellen?
Frank Zürn :Den geldgierigen Spekulanten, die mit ihren Machenschaften Arbeitsplätze und die Weltwirtschaft gefährden, ob sie sich eigentlich nicht schämen?
pfoschdeschuss : Frank Z. würde nie ...
Frank Zürn :... mit rosa Trikot auflaufen.
pfoschdeschuss : Welche Schlagzeile hat dich zuletzt bewegt?
Frank Zürn :Berichte und Bilder von Kindern, die in Somalia verhungern müssen.
pfoschdeschuss : Irgendwann hast du als kleiner Junge den Ball entdeckt. Wie kam es dazu und wer war das Idol deiner Kindheit?
Frank Zürn :Ich habe immer stundenlang mit einem kleinen Tennisball gegen die Wand in meinem Zimmer geschossen und mir vorgestellt, dass ich Tore am Fließband schieße, da war es ganz gut, dass meine Eltern gehörlos sind. Ansonsten hab ich immer auf der Straße gekickt und bin erst mit 11 Jahren in einen Verein eingetreten. Ich war zu dieser Zeit großer KSC-Fan, dass war die Generation um Karl-Heinz-Struth, Gerd Bold und Martin Wiesner etc., aber ein echtes Idol hatte ich eigentlich nie - am ehesten vielleicht Karl-Heinz Rummenigge
pfoschdeschuss : Leidiges Thema – Geld für`s Kicken. Wie stehst du dazu dass teilweise in untersten Ligen Kohle bezahlt wird damit die Jungs Sonntags ihr Hobby ausüben?
Frank Zürn :Die Vereine sind da in einer schwierigen Lage. Sportlich erfolgreich zu sein geht damit einher, dass man leichter für Spielerzugänge sorgen kann. Aber um die Attraktivität zu erhöhen muss erstmal ein gutes Team her und dazu kann der ein oder andere Schlüsselspieler beitragen. Ärgern tue ich mich dann darüber, wenn diese Spieler ohne Trainingsmoral und einem gewissen Verbundenheitsgefühl gegenüber dem Verein agieren. Im Vergleich zu anderen Sportarten ist es natürlich schon ein bißchen beschäment, wenn man Geld, Trainingsaufwand und Niveau ins Verhältnis setzt.
pfoschdeschuss : Bei wem wäre noch ein „Sorry“ fällig; bei wem wäre noch ein „Mercy“ fällig?
Frank Zürn :Ich hoffe ich habe mich immer einigermaßen korrekt gegenüber denen verhalten, die irgendwann mal meinen Weg gekreuzt haben. Soll heißen, dass ich all denen wo ein „sorry“ oder „mercy“ fällig war - schon  zum entsprechenden Zeitpunkt eins gesagt habe.
pfoschdeschuss : Über was kannst du lachen; was ärgert dich tierisch?
Frank Zürn :Lachen kann ich wirklich über alles mögliche…äh…ärgern auch..:-)
pfoschdeschuss : Auf was könntest du nie verzichten?
Frank Zürn :Auf Zeit mit meiner Tochter und regelmäßiges Sporttreiben
pfoschdeschuss : Welchen Kinofilm hast du zuletzt gesehen?
Frank Zürn :Ich glaube Harry Potter
pfoschdeschuss : Drei Wünsche zum Schluss …
Frank Zürn :???

Karlsruhe , den 10.11.2011